Frauenkirche
Dresden

Dresden · Neumarkt

Die Frauenkirche in Dresden: Kirche, Ruine und ein umstrittener Wiederaufbau

Über dem Neumarkt war die Frauenkirche eine lutherische Kirche, eine offiziell als Gedenkstätte ausgewiesene Ruine, Ort bürgerschaftlicher Mahnwachen und seit 2005 wieder eine Kirche. Wer prägte die Bedeutung des Ortes in den einzelnen Phasen?

Die Frauenkirche ist die evangelisch-lutherische Kirche am Dresdner Neumarkt. Diese Geschichte fragt, wer geprägt hat, was der Ort als Kirche, Ruine, Gedenkstätte und wiederaufgebaute Kirche bedeuten konnte.

Die Bilder dokumentieren verschiedene Momente aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die Kirche

Die Kirche über dem Neumarkt

George Bähr erhielt den Auftrag für den Neubau der Frauenkirche in Dresden. Der Grundstein wurde am 26. August 1726 gelegt; 1734 wurde die Kirche geweiht, obwohl Kuppel und Innenausstattung noch nicht fertig waren. 1743 war der Bau vollendet.

Stiftung Frauenkirche Dresden, Geschichte

Datiertes Bild: 1749–1751

Gemälde von Bernardo Bellotto mit dem Dresdner Neumarkt und der Frauenkirche, vom Jüdenhof aus gesehen.
Bernardo Bellotto malte diesen Blick vom Jüdenhof auf den Neumarkt 1749–1751, nach der Fertigstellung der Kirche 1743.

Gemälde: Bernardo Bellotto, View of the Neumarkt in Dresden from the Jüdenhofe; 1749–1751; Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 610. weltweit gemeinfrei · PD-old-100 + PD-Art-YorckProject.

Der Einsturz

Die ausgebrannte Kirche stürzte am Morgen des 15. Februar 1945 ein

Die Frauenkirche überstand die Luftangriffe vom 13. und 14. Februar 1945. Ausgebrannt stürzte sie am Morgen des 15. Februar ein. Die Stiftung ordnet die Angriffe in den von Deutschland begonnenen Krieg ein und sagt, dieser Krieg sei nach Dresden zurückgekehrt.

Stiftung Frauenkirche Dresden, GeschichteClaudia Jerzak, „Der 13. Februar 1945 im kollektiven Gedächtnis Dresdens“ (2025)Gorch Pieken, „The benchmark Dresden: 13 February 1945“ (2016)

Datiertes Bild: nach dem 17. September 1945

Die Ruine der Dresdner Frauenkirche, von Richard Peter sen. nach dem 17. September 1945 fotografiert.
Richard Peter sen. fotografierte die Ruine nach dem 17. September 1945.

Fotografie: Richard Peter sen., Fotothek df ps 0000384 Kriege ^ Kriegsfolgen ^ Zerstörungen - Trümmer - Ruinen; nach dem 17. September 1945; Deutsche Fotothek. CC BY-SA 3.0 Deutschland.

Die Gedenkstätte

Ein Beschluss, eine Tafel, dann Mahnwachen

In der DDR erklärte der Stadtrat die Ruine 1966 zur Gedenkstätte; 1967 kam eine Gedenktafel hinzu. Der Historiker Stefan Goebel zeigt, dass die offizielle Widmung im Alltag kaum genutzt wurde. Um 1980 fand eine einzelne offizielle Gedenkveranstaltung statt. Von 1982 bis 1989 gaben bürgerschaftliche Mahnwachen mit Kerzen dem Ort eine stärker gelebte öffentliche Bedeutung.

Stiftung Frauenkirche Dresden, GeschichteFrauenkirche zu Dresden, GeschichteStefan Goebel, „Ruins of War into Memorials of Reconciliation“ (2025)Claudia Jerzak, „Der 13. Februar 1945 im kollektiven Gedächtnis Dresdens“ (2025)

Datiertes Bild: 18. Oktober 1967

Die Frauenkirche als Ruine auf einer Fotografie von Horst Sturm vom 18. Oktober 1967.
Die Ruine der Frauenkirche, fotografiert am 18. Oktober 1967.

Fotografie: Horst Sturm, Bundesarchiv Bild 183-F1018-0033-002, Dresden, Frauenkirche; 18. Oktober 1967; Bundesarchiv, Bild 183-F1018-0033-002. CC BY-SA 3.0 Deutschland.

Datiertes Bild: 1980

Die Ruine der Dresdner Frauenkirche auf einer Aufnahme von Gerd Danigel aus dem Jahr 1980.
Eine Aufnahme der Ruine aus dem Jahr 1980; sie belegt keine bestimmte Gedenkveranstaltung.

Fotografie: Gerd Danigel, Dresden Martin Luther Frauenkirche 1980; 1980. CC BY-SA 4.0.

Der Wiederaufbau

Mit einem wiederverwendeten Stein begann der Wiederaufbau

Die archäologische Beräumung des Trümmerfelds begann am 4. Januar 1993. Am 27. Mai 1994 wurde der erste wiederverwendete Stein aus der Ruine gesetzt; der ursprüngliche Grundstein von 1726 blieb an seinem Platz.

Stiftung Frauenkirche Dresden, BauchronikFrauenkirche zu Dresden, Geschichte

Eine photogrammetrische Aufnahme hielt 1993 die verlorene räumliche Geometrie des Gebäudes fest. Fotos und Pläne halfen, geborgene Steine zuzuordnen; ein Teil davon wurde wiederverwendet. Die Unterkirche wurde 1996 eingeweiht, die innere Kuppel am 29. Juli 2001 fertiggestellt und die äußere Gestalt im Juni 2004 wiederhergestellt.

Stiftung Frauenkirche Dresden, BauchronikStiftung Frauenkirche Dresden, Wiederaufbau und HerausforderungenStiftung Frauenkirche Dresden, Herausforderungen

Die britische Nachbildung von Turmknauf und Kreuz wurde 2000 übergeben und 2004 zusammen mit der Laterne aufgesetzt. Sie ist ein anderes Objekt als das Nagelkreuz von Coventry, das aus Nägeln vom Dach der dort 1940 zerstörten Kathedrale gefertigt wurde.

Stiftung Frauenkirche Dresden, BauchronikDresden Trust, Turmknauf und KreuzStiftung Frauenkirche Dresden, Nagelkreuz

Am 30. Oktober 2005 wurde die Frauenkirche wieder geweiht.

Stiftung Frauenkirche Dresden, GeschichteStiftung Frauenkirche Dresden, BauchronikEvangelische Kirche in Deutschland, Ankündigung des Festgottesdiensts (2005)

Datiertes Bild: 1994

Die Dresdner Frauenkirche im Wiederaufbau auf einer Aufnahme von Hajotthu aus dem Jahr 1994.
Der Bauzustand von 1994; das Foto zeigt nicht die Feier am 27. Mai.

Fotografie: Hajotthu, Dresden Frauenkirche Ruine 1994; 1994. CC BY-SA 3.0.

Datiertes Bild: 4. Dezember 2023

Das Dach der Dresdner Frauenkirche auf einer Aufnahme von Dietmar Rabich vom 4. Dezember 2023.
Ein Blick auf das Dach der Frauenkirche, aufgenommen am 4. Dezember 2023.

Fotografie: Dietmar Rabich, Dresden, Frauenkirche — 2023 — 9387; 4. Dezember 2023. CC BY-SA 4.0.

Die Bedeutung

Woran kann die wiederaufgebaute Kirche erinnern?

Die Stiftung stellt die wiederhergestellte Kirche als Zeichen der Versöhnung dar. Stefan Goebel deutet den Wiederaufbau als Veränderung der Gedenkfunktion: Dresden habe ein ermutigendes Symbol gewonnen und ein Kriegsmahnmal verloren. Das ist die Interpretation eines Historikers zur Rolle der Ruine, hier neben der Darstellung der Stiftung.

Stiftung Frauenkirche Dresden, GeschichteStefan Goebel, „Ruins of War into Memorials of Reconciliation“ (2025)

Die wiederaufgebaute Kirche kann die Geschichte eines Gotteshauses, einer Ruine und eines sich wandelnden Gedenkens aufnehmen. Woran wird Dresden hier künftig erinnern?